Vor der Vergesellschaftung

Neue Meerschweinchen, welche in eine größere Gruppe vergesellschaftet werden sollen, gehören vorab für mindestens zwei Wochen in Quarantäne. Auch wenn Ihr Meerschweinchen aus einem gutem Stall kommt, kann es Krankheitskeime in sich tragen, die in Ihrem Stall nicht vorkommen. Durch Nichteinhaltung der Quarantäne hat sich leider schon so mancher Meerschweinchenbesitzer schlimme Krankheiten in die Gruppen geholt. Meerschweinchen aus unbekannter Herkunft (Fundtiere) müssen leider für vier Wochen in Quarantäne. Während der Quarantäne haben die Meerschweinchen keinen Kontakt zueinander und sind räumlich getrennt. In der Quarantänezeit haben Sie die Möglichkeit das/die neuen Meerschweinchen besser kennenzulernen. Es ist notwendig, auf jedes Krankheitszeichen besonders gut zu achten: ist der Kot gut geformt, die Nase trocken, benimmt sich das Tier normal, ist das Fell dicht und glänzend? Die einzige Ausnahme sind Babys, diese sollten auf keinen Fall einzeln in Quarantäne gehalten werden, ein erwachsenes Tier sollte ihnen dazu gesellt werden! Zwei Einzeltiere, die als Kleingruppe zusammen leben sollen, können auch sofort vergesellschaftet werden.

Das Wichtigste bei der Zusammenführung ist, dass die Meerschweinchen ausreichend Platz haben um sich aus dem Weg zu gehen und dass keine Fallen im Gehege vorhanden sind!

Leben die Meerschweinchen dauerhaft in einem Gehege, das kleiner als 0,5 m² Bodenfläche (Etagen werden nicht mitgezählt!) pro Tier ist, hat es sich als sinnvoll erwiesen, die Zusammenführung außerhalb des Geheges im Auslauf durchzuführen oder zumindest noch einen großen Auslauf an das Gehege anzubauen. Benötigt wird idealerweise ein Auslauf mit mindestens 1 m² Grundfläche pro Tier (-> Klappauslauf). Ist das Gehege größer als 0,5 m² pro Tier, sollten Sie es vor der Zusammenführung einfach nur gründlich säubern. Empfehlenswert ist dafür Essigwasser: es reinigt, desinfiziert und verdeckt Gerüche. Verwenden Sie keine Chemie, diese wirkt sich eher ungünstig auf die empfindlichen Tiernasen aus!

Das vorbereitete Vergesellschaftungsgehege wird ausschließlich mit Einrichtungsgegenständen bestückt, durch welche die Meerschweinchen hindurch rennen können. Korkhalbröhren, Weidenzweigröhren, Etagen und große Häuser, die auf jeder Seite einen großen Eingang haben, sind optimal (dazu können einfach unbedruckte Kartons, in denen vorher Lebensmittel gelagert waren (also keine Waschpulver oder Seifenkartons) zurecht geschnitten werden). Häuser mit nur einem Eingang sind hingegen völlig tabu! 

 

Im Gehege verteiltes Futter weckt Aufmerksamkeit und lenkt ein wenig vom Neuling ab. Verteilen Sie also großzügig Gemüse und Grünfutter im Gehege. Bieten Sie mehrere Heuberge an, damit gestresste Tiere sich immer mit Futter ablenken können.

Mitunter wird dazu geraten, den Neuling mit dem urinnassen Streu der vorhandenen Meerschweinchen abzureiben, damit er einen bekannten Geruch annimmt. Das brachte hier aber zumindest keine Verhaltensänderung.

 

So nicht!

Wir möchten dringend davon abraten, Parfüms, Puder oder Sprays einzusetzen, diese enthalten Alkohol und andere giftige Stoffe, welche den Tieren sehr schaden können. Außerdem irritieren Duftstoffe die Meerschweinchen sehr was wiederum auch zu Aggressionen führen kann.

Die Meerschweinchen sollten im Normalfall nicht Gitter an Gitter untergebracht werden, was leider noch geraten wird. Die Tiere sind dann nur noch verwirrter und könnten Aggressiv werden, weil sie ihren Rang auskämpfen möchten und das durch das Gitter nicht können, so sehen sie nur den Fremdling und können nicht mit ihm kommunizieren.

Mitunter wird dazu geraten, zwei Meerschweinchen die zusammen geführt werden sollen, vorab auf den Schoss zu nehmen und nebeneinander sitzend zu streicheln. Auf dem Schoss kommt es für die Meerschweinchen zu einer Stresssituation, in der sie in Starre verfallen und vor Angst kuscheln sie sich sogar zusammen. Ebenso kuscheln sich die Meerschweinchen ängstlich zusammen, wenn sie einfach in einen kleinen Transporter verfrachtet werden, der womöglich noch bewegt wird. Aber diese Form der eher gewaltsamen Zusammenführung lehnen wir als unnötig ab.

Es ist auch meist nicht ratsam, die Meerschweinchen einfach in ein vorhandenes kleines Gehege oder nur einen vorhandenen Kaufkäfig zu setzen. Bei kleineren Gehegen kann das zu großem Stress führen. Sicher beißen sich die Tiere nur selten und es kommt häufig nur zu massiven Jagerreien - aber stressfreier ist eine vorsichtige Vergesellschaftung mit viel viel Platz auf jeden Fall für die Tiere!

Die Vergesellschaftung - zusammen im Gehege oder Auslauf

Auf alle Fälle sollten Sie bei der ersten Begegnung dabei sein und bleiben, für min. 6 - 8 Stunden sollten Sie das Geschehen im Auge behalten. Vertragen sich die Meerschweinchen bis dahin, werden wohl auch im folgenden keine größeren Kämpfe mehr stattfinden - Ausnahmen bestätigen diese Regel! Der ideale Zeitpunkt für eine Vergesellschaftung sind also die Morgenstunden, da das Gehege dann den ganzen Tag beobachtet werden kann. Nehmen Sie sich für die Vergesellschaftung zwei Tage frei oder führen Sie diese am Wochenende durch.

Bevor Sie mit der Vergesellschaftung beginnen, machen Sie einen umfassenden Gesundheitscheck. Schreiben Sie die Gewichte der Tiere auf, kürzen sie bei Bedarf die Krallen und schreiben Sie sich Besonderheiten auf. Beim nächsten Gesundheitscheck können sie dann besser fest stellen, ob Tiere aus der Gruppe stark unter Stess stehen (Gewichtsabnahme) oder ob neue Gesundheitsprobleme aufgetreten sind.

Lassen Sie die Neulinge ein paar Minuten vor den alteingesessenen Meerschweinchen in das frisch gereinigte Gehege. So können die neuen Tiere das Terrain kennen lernen und Fluchtwege erkunden. Setzen Sie dann möglichst gleichzeitig alle Tiere zusammen, verteilen Sie Futter und beobachten Sie das Geschehen.

So könnte es während einer Vergesellschaftung aussehen: 
Nicht selten tun die Schweinchen erstmal so, als wäre gar nichts geschehen und versuchen, das Problem regelrecht wegzuignorieren. Aber schon bald werden die Tiere aufeinander treffen, der Neuling wird beschnüffelt und versucht ebenfalls, die ihm fremden Meerschweinchen zu beschnüffeln. Zuerst treffen sich die Nasen und die Tiere schnüffeln im Gesicht, sobald bemerkt wird, dass ein Fremdling gegenüber steht, schlagen die Schweinchen meist mit ihren Köpfen hoch und fangen dann mitunter auch an, mit den Zähnen zu klappern. Entweder laufen sie dann erstmal auseinander und die Konfrontation ist erstmal beendet. Manchmal läuft auch eins der Tier dem anderen hinterher und versucht aufzureiten. Vor allem ranghohe Weibchen und Böcke versuchen aufzureiten, sie laufen häufig lange und intensiv brommselnd hinterher, während das gejagte Tier meist zeternd davon läuft. Gelingt dem Meerschweinchen das Aufreiten, ist der Rang für gewöhnlich geklärt und das neue Meerschweinchen ist ins Rudel aufgenommen (bzw. ist der Bock neu, hat er die Sache dann für sich entschieden). Den meisten anderen Rudelmitgliedern reicht das Köpfe hochreißen und weg jagen aus. Während einer Vergesellschaftung reagieren auch Rudelmitglieder die sich lange kennen häufig gestresst und es kommt auch zwischen Freunden mitunter zu kleinen Reibereien die aber für Gewöhnlich harmlos sind.

Es ist aber auch möglich, dass sich die Meerschweinchen powackelnd gegenüber stellen, meist leicht seitlich um größer zu wirken, das Nackenfell wird gesträubt, Weibchen zetern dabei, Böcke brommseln eher. Beide Geschlechter klappern auch mit den Zähnen um zu drohen. Die Tiere heben die Köpfe und versuchen sogar, sich anzuspringen und zuzuschnappen. Im Normalfall gehen die Tiere dann aber schon auseinander und das unterlegene Meerschweinchen läuft weg. Nur selten bilden die Meerschweinchen nach so einer Konfrontation ein Knäul und versuchen sich zu beißen - dann muss der Halter allerdings sofort einschreiten.

Meerschweinchenweibchen heben bei allzuaufdringlichen anderen Weibchen und vor allem bei nervigen Böcken die aufreiten wollen oft den Po und pinkeln den Verfolger an. Das ist harmlos und kommt recht häufig vor.

Grundsätzlich wird während der Vergesellschaftung viel gemuigt, gezetert, gebrummt und gequietscht. Es kommt sogar vor, dass Rudelmitglieder versuchen, die neuen Meerschweinchen leise zu beruhigbrommseln, oder die Tiere muigen sich freundlich an. Weibchen zetern kaskadenartig laut miteinander. Mehr über die einzelnen Lautäußerungen und das Verhalten allgemein können Sie hier nachlesen: Meerschweinchen Verhalten.

Wenn die Vergesellschaftung durch das laute Gemuige und das wilde durchs Gehege jagen bedrohlich wirkt, greifen Sie bitte nicht ein, die Tiere müssen ihre Rangordnung so klären!

Auch wenn die Meerschweinchen etwas gestresst wirken und sich häufiger jagen, so lange sich die Tiere keine Wunden zufügen dürfen Sie nicht einschreiten! Es kann mitunter einige Tage dauern, bis wirklich wieder Ruhe in die Gruppe einkehrt. Haben Sie die Tiere im Auslauf vergesellschaftet und verstehen sich die Meerschweinchen im Auslauf, können sie in ihr zukünftiges Wohngehege gesetzt werden.

 

Probleme

Kleine Wunden im Gesicht und an den Ohren sind noch kein Zeichen für eine schwere Situation, meist sind sie eher die Folge von Drohgebärden und gar nicht so sehr ein Zeichen von Eskalation. Wenn die Tiere sich nach so einem Biss trotzdem vertragen und ruhig verhalten, dann muss nur die Wunde versorgt werden und die Vergesellschaftung ist noch nicht gescheitert. Nach einer kurzen Trennung kann eine weitere Vergesellschaftung versucht werden, die meist sogar sehr friedlich abläuft.

Bisse am Rücken/Hinterteil und auch im Halsbereich hingegen zeigen deutlich, dass ein unterlegenes Tier gejagt und massiv angegriffen wurde. Die Meerschweinchen müssen sofort getrennt werden und die Vergesellschaftung wird dann in kleineren Schritten durchgeführt. Das neue Meerschweinchen wird durch ein Gitter getrennt neben die Anderen gestellt und die Tiere werden täglich unter Aufsicht zusammen laufen gelassen. Bei Beißereien muss wieder getrennt werden. Sollte das allerdings nicht innerhalb weniger Tage zu einer Vergesellschaftung führen, dann passen die Tiere einfach nicht zusammen und wir würden dazu raten, keine weiteren Vergesellschaftungsversuche zu starten sondern beiden Gruppen neue Partner dazu zu gesellen (häufig passiert das bei Böcken, dann sollten sie kastriert werden und Weibchen dazu bekommen!)

Bedenken Sie, nicht alle Meerschweinchen vertragen sich, Sie würden sich ja sicher auch nicht mit jedem beliebigen Menschen vertragen. Also falls Ihre Tiere sich dauerhaft nicht vertragen, gönnen Sie bitte jedem Tier sein eigenes Reich und neue Partner.

Fehler, die Halter leider oft machen

Eine Vergesellschaftung ist oft sehr aufregend, aus dieser Aufregung heraus reagieren viele Halter zu menschlich - und machen dadurch Fehler, welche die Vergesellschaftung verzögert oder sogar verhindert. Wir gehen hier auf die häufigsten Fehler kurz ein:

Falsche Verstecke - Sackgassen

Alle Kisten, Häuser und andere Verstecke müssen unbedingt mindestens 2 Ausgänge haben. Sonst werden sie zu regelrechten Fallen. Flüchtet ein Meerschweinchen in ein Versteckt, mit nur einem Ausgang und folgt das andere Meerschweinchen nach, kann das unterlegene Tier nicht mehr flüchten, da das überlegene Tier den Eingang/Ausgang blockiert. So wird es wieder zu Kämpfen kommen, da das Tier in der Sackgasse sich einen Weg nach draussen erkämpfen muss. Idealerweise sind also Türen so anzubringen, dass ein unterlegenes Tier nach hinten weglaufen kann!

Ebenso ist die Anzahl der Unterschlüpfe sehr wichtig. Jedes Tier muss mindestens einen Unterschlupf vorfinden, wo es sich kurz entspannen und der Situation aus dem Weg gehen kann.

Falscher Vergesellschaftungsort

Nicht selten werden die Tiere einfach zusammen in einen Käfig gesetzt, wo das/die alteingesessene Meerschweinchen schon ihr Revier haben. Das geht nicht immer gut, da jedes Meerschweinchen sein Revier verteidigen wird.

Mitleid - Unterbrechungen beim Vergesellschaften

Mitleid ist eines der größten Probleme überhaupt. Der Halter, der seine Tiere liebt, erträgt es nur schwer, dass sie miteinander kämpfen und das unterlegene Tier gestresst und mit gesträubtem Fell in der Ecke sitzt. Also machen viele Halter den Fehler, die Vergesellschaftung dann zu unterbrechen, damit das unterlegene Tier sich erholen kann. Das ist ein sehr fataler Fehler, denn die Meerschweinchen können so ihre Rangordnung nicht abschließend klären und nach jeder Trennung muss neu vergesellschaftet werden.

Solche Unterbrechungen (mitunter werden die Tiere sogar über Nacht wieder getrennt, weil der Halter dann nicht dabei sein kann und Angst hat, dass dann "was passiert") können sogar schlimmstenfalls den Misserfolg der Vergesellschaftung herbeiführen, da diese Trennungen und Neuvergesellschaftungen die Aggressionen bei den Tieren hochkochen läßt.

Abschließend

Eine Vergesellschaftung kann unter Umständen ein wenig länger dauern. Wenn sich die Tiere aber überhaupt nicht verstehen, sollten Sie es evtl. mit anderen Partnern versuchen. Deshalb ist es sehr wichtig, sich vor dem Kauf zu informieren, ob man schlimmstenfalls das Meerschweinchen umtauschen kann. Kaufen Sie von vornherein nur dort, wo sich Ihr Meerschweinchen selber den Partner fürs Leben aussuchen kann und evtl. das neue Tiere zurück genommen wird.

Viele Tierheime, Notvermittlungsstellen und Züchter bieten mittlerweile an, dass Sie Ihr Meerschweinchen mitbringen und sich Ihr Meerschweinchen seinen neuen Partner selber aussuchen kann, so entstehen die schönsten Freundschaften. Allerdings muss bedacht werden, dass die Meerschweinchen sich in der fremden Umgebung oft nicht so verhalten, wie sie es Zuhause tun würden. Außerdem ist die Fahrt in ein Tierheim/zum Züchter für das Meerschweinchen anstrengend - und natürlich stehen sie dann extrem unter Stress. Mehr als ein Versuch kann und sollte dabei auch nicht unternommen werden. Denn nach einem missglückten Versuch sind die Meerschweinchen oft so gereizt, dass selbst der Traumpartner dann keine Chance mehr hätte.

 

Quelle: www.diebrain.de

Bevor ihr Meerschweinchen adoptiert, erkundigt euch über diese Tierart sowie die Bedürfnisse der kleinen Meeris !

Alles was Ihr wissen müsst findet ihr hier unter Aufklärung oder bei www.diebrain.de



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