Kastrationen beim Meerschweinchen

Kastrationen werden vorgenommen um ungewolltem Nachwuchs vorzubeugen wenn Meerschweinchen Böcke mit Weibchen zusammen in gemischten Meerschweinchengruppen leben.

Zwei oder mehr zusammenlebende und sich untereinander nicht vertragende Böcke kastrieren zu lassen ist in aller Regel nicht von Erfolg gekrönt, als dass sie sich nach der Kastration besser untereinander verstehen. Es ist auch nach der Kastration von Meerschweinchen Böcken keine wesentliche Verhaltensänderung festzustellen.

Erspart Euren Böckchen und Euch also diese Operation im Falle einer gewünschten Verhaltensänderung und versucht es lieber mit einem erneuten Versuch der Vergessellschaftung auf neutralem Boden und viel Platz.

Kastrationen sind in gemischten Gruppen unerlässlich

Leben Böcke mit Weibchen zusammen ist eine Kastration hingegen unerlässlich. Ansonsten stehen regelmäßig Schwangerschaften der Weibchen bevor. Eine dauernde Trächtigkeit stellt eine große Belastung für die Meerschweinchen Weibchen dar, so dass sie nach kurzer Zeit so schwach werden, dass sie sogar daran sterben können und/oder Geburtskomplikationen bevor stehen.

Was ist eine Kastration ?

Beim Bock das entfernen der Hoden im Hodensack, beim Weibchen sind es die Eierstöcke und gegebenenfalls die Gebärmutter, die komplett entfernt werden. Bei einer Sterilisation werden lediglich die Samenleiter beim Bock abgebunden. Bei einem Weibchen werden die Eierstöcke abgebunden oder ein Stück daraus entfernt. In der Praxis werden aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und der Schwere des Eingriffs für den kleinen Körper Meerschweinchen nicht sterilisiert, sondern ausschließlich Kastrationen durchgeführt

Was kostet die Kastration durchschnittlich ?

Die Gebührenerhebung der Kastration durch den Tierarzt ist in der Gebührenerhebung für Tierärzte insbesondere in Punkt G 5.7 geregelt. In der Praxis ist ein erhobener Gesamtpreis für die Kastration eines Meerschweinchen Bocks von ca. 50 – 80€ üblich. Einen erheblichen Preisunterschied macht es aus, ob der Bock mittels Injektionsnarkose oder Inhalationsnarkose narkotisiert wird.

Vor der Kastration

Vor der Kastration

  • Die Operation muss ein mit Kleintieren und besser noch mit Meerschweinchen erfahrener Tierarzt durchführen – bitte sucht Euch einen Tierarzt mit Erfahrung!
  • Das Tier muss zur Kastration völlig gesund sein, da der Eingriff selbst durch die Narkose dem Meerschweinchen zu schaffen machen wird.
  • Eine Woche vor dem operativen Eingriff sollte der Bock vermehrt Vitamin C durch Frischfütterung bekommen. Die Narkose wird der Erfahrung nach dann besser vertragen. Eine zusätzliche Vitamingabe oder spezielle Narkose-Vitamin-Präparate sind bei ausreichend guter Fütterung nicht notwendig.
  • Das Meerschweinchen darf keinesfalls nüchtern sein wenn es narkotisiert wird, da sonst die Darmtätigkeit des Meerschweinchens sehr leicht zum Erliegen kommt, was ein ernsthaftes Risiko für das Meerschweinchen darstellt. Heu und Wasser muss sowohl am Vortag als auch am Tag der Kastration, sowie in der Transportbox, vorhanden sein.

Der Kastrationsvorgang

  • Das Meerschweinchen wird in eine Narkose gelegt. Es besteht die Möglichkeit zwischen einer Injektionsnarkose oder einer Inhalationsnarkose, wobei die Inhalationsnarkose auf Grund des geringeren Risikos immer den Vorrang haben sollte – nicht nur bei einer Kastration.
  • Die Hodensäcke werden aufgeschnitten und die Hoden entfernt. Die bei der Kastration entstandenen Wunden werden entweder genäht, wobei sich hier die Fäden selbst auflösen oder nach 10 Tagen gezogen werden, getackert (Klammern werden ebenfalls nach 10 Tagen entfernt) oder sie bleiben offen. Bei einer offenen Wunde muss auf die Hygiene noch mehr wert gelegt werden. Der Vorteil ist, dass Wundwasser abfließen kann und die Wunde von innen nach außen heilen kann.  Abzesse können so vermieden werden.
  • Die Kastration selbst dauert nur ca. 20 Minuten.

Nach der Kastration

Nach der Kastration beginnt die Zeit erhöhter Aufmerksamkeit und steigender Haltungsansprüche seitens der Halter, bis die Wunde des Tieres vollständig ausgeheilt ist und der Bock die Karenzzeit, in der er trotz Kastration noch Nachwuchs zeugen kann, überstanden hat.

  • Der Bock muss zunächst noch so lange beim Tierarzt bleiben, bis er wieder wach und munter ist. Bis zu diesem Zeitpunkt muss er unter einer Rotlichtlampe oder auf einem  Wärmekissen liegen, damit er nicht auskühlt. Außerdem muss er alle 15 Minuten von einer Seite auf die andere Seite gelegt werden, damit die Funktionalität der Lunge sichergestellt wird und sie auch in der Aufwachphase richtig arbeiten kann. Achtet deshalb darauf, dass Eurer Meerschweinchen wach ist, wenn ihr es vom Tierarzt abholt. Ist es noch schläfrig, bleibt so lange beim Tierarzt bis es wieder richtig wach ist.
  • Meist brauchen die Böcke ca. 24 Stunden um sich komplett von der Operation und Narkose zu erholen.
  • Der Bock darf nun mindestens drei Tage, abhängig von dem Heilungsprozess der Kastrationswunde, nicht auf Streu sitzen, da sonst Dreck in die Wunde gelangt. Bei mir hat es sich bewährt, eine dünne Schicht einzustreuen und darauf Handtücher zu legen.
  • Böcke können nach der Kastration noch bis zu 6 Wochen decken, da sich so lange noch zur Befruchtung geeignete Spermien in den Samenleitern befinden können. Daher müssen sie diese Zeit getrennt von den Weibchen leben.
  • Die Wunde muss jeden Tag auf Rötungen, Schwellungen und austretendes Sekret kontrolliert werden. Auch der Gesamteindruck des Meerschweinchens muss beobachtet werden (Appetit, Gewicht, Schmerzen, Verhalten). Sollte sich die Wunde entzünden, muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden.
  • Zieht der Bock sich selbst einen Faden, ist dies kein Grund zur Panik. So lange die Narbe nicht wieder aufgeht, ist kein weiterer Eingriff vom Halter bzw. Tierarzt notwendig.

Risiken

Der Eingriff einer Kastration ist nicht risikolos und bei gesunden Tieren als Präventivmaßnahme gegen ungewollten Nachwuchs durchaus umstritten. Im Sinne der Tiere wird aber in Abwägung der Risiken deutlich zu einer Kastration geraten.  Die Risiken einer Kastration sind:

  • Zum einen ist die notwendige Narkose ein Risiko der Kastration. Vor allem bei Meerschweinchen und anderen kleinen Tieren passiert es immer wieder, dass die Narkose nicht vertragen wird und die Meerschweinchen nicht mehr erwachen. Je älter das Tier ist, desto schlechter wird eine Narkose vertragen. Daher sollte man sich überlegen, ob es sinnvoll ist, ein älteres Tier kastrieren zu lassen. Besser ist es dem Bock dann einen anderen Bock als Gesellschaft zu holen. Bisher hatten meine Tiere bei keiner Narkose Schwierigkeiten.
  • Die andere Gefahr ist die Bildung von Abszessen an der Narbe. Diese Eiterabzesse gehen entweder von selbst auf oder müssen durch den Tierarzt geöffnet werden. Wieder zu Hause muss der Abzess dann 3 mal täglich ausgedrückt und gespült werden. Vorsicht: Der Eiter stinkt! Am besten Handschuhe tragen. Außerdem wird der Tierarzt den neuen Kastraten sehr wahrscheinlich mit Antibiotika behandeln um Infektionen an der Wunde vorzubeugen.
  • >Durch ausreichende Hygiene bei der Operation und nachher bei der Haltung im Käfig kann das Risiko der Bildung eines Abszesses ausreichend gering gehalten werden. Deshalb sei auch hier noch einmal gesagt, dass der Kastrat am besten in einen Käfig mit ausgelegten Handtüchern gehalten wird, bis die Wunde äußerlich vollständig verheilt ist. Einstreu birgt immer die Gefahr von Parasiten und Infektionen.

Nachteile bei einer ,, normalen ´´ Kastration ( d.h. im geschlechtsfähigem Alter )

Die Kastration in geschlechtsfähigem Alter ist mit einigen Nachteilen und Risiken verbunden.

  • Wird eine Kastration erst in geschlechtsfähigem Alter vorgenommen, ist eine Trennung des Bocks oder der Böcke von den Weibchen vor der Kastration und bis zu 6 Wochen danach nötig
  • Ältere, geschlechtsfähige Böcke haben ein größeres Risiko die Narkose nicht zu vertragen.
  • Auch das Infektionsrisiko ist bei jungen Meerschweinchen Böcken deutlich kleiner als bei ausgewachsenen oder gar alten Böcken.

Aus Abwägung dieser Gründe ist die Frühkastration in den Fokus gerückt. Ein noch vor der Geschlechtsreife kastrierter Bock hat viele Vorteile.

Frühkastration und  deren Vorteile

Frühkastrationen werden vor der Geschlechtsreife im Alter von ca. 3 Wochen und einem Gewicht von ca. 250g durchgeführt. Ich habe meinen Grizzly auch frühkastrieren lassen und kann es jedem nur empfehlen. Er brommselt übrigens trotzdem rum und umwirbt die Weibchen.

  • Geringeres Narkoserisiko und Infektionsrisiko
  • Die Gefahr von hohem Blutverlust wird gemindert, da die Geschlechtsregion noch nicht voll durchblutet ist
  • Keine Trennung von der Mutter und den Geschwistern, so dass sie in der Gruppe aufwachsen können
  • Schnellere Erholung nach der OP, meist nur ca. 2-4 Stunden

Kastrationen beim Weibchen


Kastrationen bei Meerschweinchen Weibchen sind selten. Soll Nachwuchs verhindert werden, wird immer der Bock kastriert, da der Eingriff bei Böcken einfacher und komplikationsloser ist. Es gibt jedoch Umstände, die eine Kastration eines Weibchens notwendig machen. Dazu zählen Indikationen wie z.B. Eierstockzysten, starke hormonelle Probleme oder eine Vereiterung der Gebärmutter des Weibchens. Eine Kastration sollte jedoch nur in medizinischen Notfällen erfolgen, da die Operation am offenen Bauchraum erfolgt und somit um ein vielfaches risikoreicher ist als eine Kastration bei einem Bock. Bei einer Kastration beim Meerschweinchen Weibchen werden die Eierstöcke oder die Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt, je nach Diagnose.

Die Kastration beim Weibchen

  • Wie auch bei den Böcken wir eine Kastration bei Weibchen nur unter Vollnarkose gemacht. Die OP dauert ca. 90 Minuten.
  • Operiert wird durch den Rücken. Die stecknagelkopfgroßen Eierstöcke werden entfernt, evtl. werden auch die Eileiter entfernt.
  • Die Narbe wird zumeist genäht, die Fäden nach 10 Tagen gezogen.

Für die Zeit nach der Operation gelten die selben Regeln wie bei den Böcken. Es ist auf ausreichende Hygiene zu achten.

Bevor ihr Meerschweinchen adoptiert, erkundigt euch über diese Tierart sowie die Bedürfnisse der kleinen Meeris !

Alles was Ihr wissen müsst findet ihr hier unter Aufklärung oder bei www.diebrain.de



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